Geschichte Wiesental

Das Haus «Wiesenthal» wurde 1868 als Gerberei gebaut. 1873 entstand der westliche Hausteil, «ein an die hiessige Gerberei angebautes Gebäude mit Wasserrad, Getriebe und Transmission mit Wasserrecht». Im Jahr 1875 kaufte der Mechaniker Ulrich Leutenegger die ganze Liegenschaft. Er übernahm «das frühere Gerbereigebäude nebst anstossendem Maschinenraum und dem sämtlichen Getriebe, Transmissionen, Wasserrad und Wasserberechtigung inbegriffen». Er baute das Gebäudein mehreren Etappen, letztmals 1921, zu einer mechanischen Werkstatt um. In diesem Unternehmen wurden zahlreiche Lehrlinge ausgebildet, die nach damaliger Sitte auch beim Lehrmeister assen und schliefen. Die Firma Leutenegger empfahl sich 1903 für die Anfertigung von gewerblichen Maschinen, Werkzeugmaschinen für Holz- und Eisenbearbeitungen, Sägerei-Einrichtungen und Reparaturen. Sie bezeichnete sich als Spezialistin für hydraulische Widder, Pumpen, Wassermotoren und die Erstellung sämtlicher Wasserleitungsanlagen. 
Ulrich Leutenegger war ein ausgesprochener Tüftler. Er machte verschiedene Erfindungen, die er auch patentieren liess. Bekannt sind diese drei Patente:

1894: Neuerungen an Kolbenpumpen zur Heisswasserförderung.

1901: Luftgaserzeuger zum Karburieren von Luft (Anreichern von Luft mit einer brennbaren Flüssigkeit).

1931: Fördereinrichtung für ungleichartig zusammengesetztes Fördergut (Abwasser, Jauche, Kohlenstaub, Heu usw.).

Maschinen in der Werkstatt hat Leutenegger wohl auch selbst konstruiert und gebaut. Angetrieben wurden seine Maschinen über eine Transmission mit Lederriemen durch eine Turbine im Keller des Gebäudes. Ein Weiher oberhalb der Werkstatt sammelte das Wasser. Weiher und Turbine sind noch vorhanden. Die Drehzahl der Turbine wurde mit einem Fliehkraftregler geregelt. Später trieb ein Elektromotor, der ebenfalls noch vorhanden ist, die Turbine an. Eine eingebaute Esse zeigt, dass in der Werkstatt auch Schmiedearbeiten ausgeführt wurden. Die Luft für das Anfachen des Feuers wurde durch ein Gebläse, ebenfalls angetrieben durch die Transmission, in die Esse geblasen.
In der Werkstatt, sind immer noch einzelne der von Leutenegger hergestellten Geräte aufbewahrt. Zum Beispiel ein Widder, eine Förderpumpe nach dem Patent aus dem Jahr 1931, sowie der Luftgaserzeuger nach dem Patent von 1901.
In seinen letzten Jahren soll er sich intensiv mit dem Gedanken befasst haben, einen Roboter zu konstruieren.
Bekannt war Leutenegger für die Weiterentwicklung und den Bau des hydraulischen Widders. Dieses robuste Gerät war in der Lage, ohne zusätzliche Energie nur unter Ausnützung der Strömungsenergie des Wassers, etwa einen Drittel des fliessenden Wassers auf eine Höhe bis zu 70 Meter zu heben. Die Geräte taten über Jahrzehnte zuverlässig und praktisch ohne Wartung ihren Dienst. Die von Ulrich Leutenegger konstruierten und gebauten Maschinen enthalten viele Gussteile.
Die Holzmodelle zu diesen Guss teilen stellte er in der eigenen Werkstatt her.
In seiner Werkstatt befinden sich die meisten damals gängigen Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung, die es ihm erlaubten, seine Konstruktionen nicht nur zu entwerfen, sondern auch selbst zu produzieren. Interessant sind zum Beispiel die vier Drehbänke verschiedener Bauart und die zwei Metall-Hobelmaschinen, wie sie in gewöhnlichen Schlossereien kaum zu finden waren. Einzelne Mechanische Werkstätte Wiesenthal (ca. 1920) Ulrich Leutenegger mit Sohn, Haushälterin, Knecht.
Metall-Hobelmaschinen mit Antrieb durch die Transmission.